
🌿 Schreiben hilft - auch wenn niemand es dir vorschreibt
Schreibkurse, Schreibworkshops, Schreibateliers – das Angebot ist gross. Aber bringt das wirklich etwas? Diese Frage habe ich mir heute wieder gestellt, nachdem ich einer Teilnehmerin eine ausführliche Antwort zu einem Thema geschrieben habe, über das wir uns ausgetauscht hatten. Sie hat sich herzlich für die Ausführlichkeit bedankt. Was sie nicht wusste: Das Schreiben dieser Antwort war für mich selbst genauso wertvoll wie für sie. Ich halte meine Gedanken zu einem Thema fest, und genau das hilft mir, sie zu ordnen. Das stelle ich immer wieder fest.
🌿 Was sagt die Wissenschaft zum Schreiben?
Diese Erfahrung ist kein Zufall. Der Sozialpsychologe James Pennebaker von der University of Texas at Austin hat seit den 1980er-Jahren untersucht, was mit uns passiert, wenn wir über belastende oder bewegende Erlebnisse schreiben. In über 200 Studien zeigte sich, dass regelmässiges, offenes Schreiben über eigene Gedanken und Gefühle mit einer ganzen Reihe positiver Effekte verbunden ist: weniger Angst, ein stabileres Immunsystem, besserer Schlaf und eine spürbare Entlastung im Umgang mit belastenden Themen. Andere Forschungsarbeiten fanden zudem, dass Schreiben das Gedächtnis stärkt – Studierende, die über belastende Erfahrungen schrieben, konnten sich Inhalte danach deutlich besser merken. Der Mechanismus dahinter ist einleuchtend: Wer schreibt, muss diffuse Gedanken und Gefühle in eine Reihenfolge bringen, in Worte fassen, zu einer Geschichte formen. Genau dieser Prozess – aus einem Gedankenwirrwarr eine geordnete Erzählung zu machen – scheint der Punkt zu sein, der uns entlastet. Interessant ist dabei: Pennebaker selbst schreibt nach eigener Aussage nicht täglich, sondern nur dann, wenn ihn etwas wirklich beschäftigt. Schreiben als Pflichtübung, als tägliches Ritual, ist also gar nicht die Voraussetzung für die Wirkung. Es zählt der Moment, in dem man etwas zu verarbeiten hat.
🌿 Nicht umsonst schreibt man Tagebuch
Man schreibt Tagebuch nicht, damit es jemand liest. Man schreibt für sich selbst. Kürzlich bin ich auf eine Art Tagebuch gestossen, das ich während zwei schwierigen Monaten im Ausland geführt hatte, in einer Zeit, die alles andere als leicht war. Ich habe diese Seiten inzwischen weggeworfen – sie sind für mich heute nicht mehr wichtig. Aber damals haben sie mir geholfen, gut durch diese Zeit zu kommen. Das Papier hat mir zugehört, ohne zu urteilen. Und genau das ist der Unterschied zum Schreiben im Netz: Papier verzeiht. Man kann es zerreissen, verbrennen, wegwerfen – für immer. Was einmal im Internet steht, verschwindet nie ganz. Wer weiss, wann es wieder auftaucht. Auf Papier kann man ehrlich sein, weil man weiss: Es bleibt bei einem selbst, so lange man will, und keinen Tag länger.
🌿 Schreiben beim Fastenwandern
Früher haben wir beim Fastenwandern empfohlen, Tagebuch zu führen. Das mache ich heute bewusst nicht mehr – zu schnell wird aus einer Empfehlung eine gefühlte Pflicht, und genau das soll Fastenwandern nicht sein. Niemand muss hier etwas leisten.
Trotzdem beobachte ich es immer wieder: Beim Fastenwandern gelingt es vielen, ihre Gedanken besser zu sortieren als im Alltag. Der Kopf wird ruhiger, der Weg gibt einen Rhythmus vor, die Tage haben Raum. Manchmal reift dabei eine Entscheidung, die schon lange vor sich hergeschoben wurde – ganz ohne, dass jemand ein Wort darüber verlieren musste. Wer danach zum Stift greifen möchte, kann das tun. Wer nicht, lässt es einfach.
🌿 Was sagt die forschung zu Omega-3 und geistiger Gesundheit?
In der KORA-Age-Studie wurden 720 Menschen im Alter zwischen 68 und 92 Jahren untersucht. Die Forschenden stellten einen deutlichen Zusammenhang zwischen einem niedrigen Omega-3-Index und kognitiven Einschränkungen fest.
Das bedeutet noch nicht, dass ein niedriger Omega-3-Wert unmittelbar eine Demenzerkrankung verursacht. Es handelt sich zunächst um einen beobachteten Zusammenhang. Die Forschenden weisen deshalb darauf hin, dass weitere Untersuchungen notwendig sind.
Trotzdem zeigt die Studie, dass der Omega-3-Status ein interessanter Baustein bei der Betrachtung der geistigen Gesundheit im Alter sein kann.
🌿 Ein Papier verurteilt einen nicht
Schreiben kann befreiend wirken. Man kann schreiben, was man will – das Papier gibt keine dummen Antworten, urteilt nicht, ist einfach geduldig. Vielleicht ist das der eigentliche Grund, warum Schreiben so oft hilft: Es ist einer der wenigen Räume, in denen wirklich niemand mitredet. Ein Hoch auf das Schreiben von Hand – auf Papier.
🌿 Möchtest du selbst einmal erleben wie viel Raum eine Woche Fastenwandern für deine eigenen Gedanken schafft?
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